Waschbär (Procyon lotor)
Der Waschbär (Procyon Lotor) ist ein Vertreter der Familie der Kleinbären und gehört zur Ordnung der Raubtiere. Merkmale des Kleinbären sind seine etwas gedrungene und bucklige Gestalt, die Gesichtsmaske mit einer über der Augenregion verlaufenden braunschwarzen Binde und der grau schwarz quergeringelte Schwanz. Die Kopf-Rumpf-Länge inklusive des Schwanzes beträgt 70 bis 85 cm, wovon 20 bis 25 cm auf den Schwanz entfallen. Seine Größe lässt zwischen Katze und Fuchs einordnen.
Waschbären haben je nach Jahreszeit ein Gewicht zwischen 5 und 10 kg. Ihr Gedächtnis ist ausgezeichnet, so dass Futterplätze immer wieder gefunden werden.
Lebensraum
Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika , wo er hauptsächlich Laub- und Mischwälder besiedelt. Er bevorzugt feuchte Gebiete, wie die Ufer von Bächen, Flüssen und Seen. Als dämmerungs- und nachtaktives kleine Raubtier, verbringt der Waschbär den Tag in schwer zugänglichen Verstecken, wie Baum-, Fels- oder Erdhöhlen, alten Fuchs- oder Dachsbauten. Im Bereich menschlicher Behausungen versteckt sich der Kleinbär gern in verlassenen Gebäuden, Scheunen oder Ställen. Keller, Garagen, Dachböden etc. werden gern als Quartier genutzt.
Im Winter halten die Tiere in ihren Verstecken oft wochenlang Winterruhe. Sie leben von ihren Fettreserven. Dies ist kein echter Winterschlaf, sie werden sofort aktiv, wenn wärmere Wetterlagen eine Futtersuche ermöglichen. Am Ende des Winters sind die Tiere im Allgemeinen stark abgemagert. Sie holen diesen Gewichtsverlust schnell wieder auf.
In Europa begann die Verbreitung des Bären 1934 mit der Aussetzung von vier Waschbären am Edersee in Hessen. Auch flüchteten immer wieder unkontrolliert Einzeltiere aus Pelztierfarmen. In ganz Europa wird der Waschbärbestand mittlerweile auf einige Hunderttausend geschätzt.
Ernährung
Der Waschbär zählt, obwohl er Allesfresser ist, zu den Raubtieren. Dabei ist das Nahrungsspektrum an das örtliche und jahreszeitliche Angebot in seinem Lebensraum gebunden.
Im Frühjahr bevorzugen die Bären tierische Nahrung wie Regenwürmer, Schnecken und Insekten, aber auch junge Vögel und Mäuse. Im Sommer und Herbst überwiegt pflanzliche Kost mit Früchten und Samen. Im Winter fasten die Tiere, da sie weitgehend inaktiv sind. Nur bei Temperaturen über null Grad suchen sie wieder nach Futter, z.B. an eisfreien Gewässern, wo sie auf Beute hoffen.
Im Bereich menschlicher Behausungen, wo das Nahrungsangebot das ganze Jahr über gegeben ist, findet der Waschbär genügend Fressbares. Insbesondere auf Rasenflächen, unter Obstbäumen, auf Kompostplätzen, in Mülltonnen und Papierkörben.
Fortpflanzung
Die Hauptpaarungszeit ist im Februar. Im April werden zwei bis fünf Junge geboren.
Kann ein Waschbär gefährlich werden?
Grundsätzlich sind Waschbären nicht aggressiv und greifen Menschen nicht an. Aber! Sie sind und bleiben Wildtiere. Als kleine Raubtiere sind sie in Situationen, in denen sie sich eingeengt fühlen, Angst oder Unsicherheit spüren, in der Lage, unangenehme Bisswunden zu verursachen.
Überträgt der Waschbär Krankheiten?
Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass fast drei viertel der untersuchten Waschbären mit dem Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis) infiziert waren.
Auch spielen Waschbären bei der Übertragung der Tollwut in Europa bisher keine Rolle.
Trotzdem ist – wie bei allen Wildtieren – Vorsicht geboten!!
Grundstück sichern?
Vor allem in großen Städten fällt der Waschbär immer mehr als lästiger Bewohner auf. Am Tage bieten ihnen Dachböden eine Unterschlupfmöglichkeit, welche oft mit einer starken Lärmbelästigung verbunden ist.
Der beste Schutz gegen den ungebeteten Gast ist zunächst das Nahrungsangebot im Garten und am Haus so gering wie möglich zu halten. Folgende Maßnahmen können in diesem Zusammenhang empfohlen werden:
Ø Mülltonnen und Abfälle unzugänglich aufbewahren; wenn dies nicht möglich ist, die Behältnisse mit starken Spanngummis sichern und nach Möglichkeit mindestens einen halben Meter von Zäunen, Mauern und Zweigen entfernt aufstellen
Ø Gelbe Säcke erst am Abholtag herausstellen
Ø Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot und Obst nicht auf den Komposthaufen werfen
Sichern des Hauses
Waschbären haben gerne auf Dächern ihr Tagesversteck.
Dorthin gelangen sie meist über die Regenrinne oder angrenzende Bäume.
Überstiegmöglichkeiten von Bäumen können durch Rückschnitt der Gehölze verhindert werden. Auf dem Dach selbst bieten dann verschobene Ziegel oder Öffnungen, die die geschickten Tiere ggf. auch vergrößern, den Eingang zum Dachboden oder in Zwischendecken. Auch der Schornstein kann als Tagesquartier dienen.
Waschbären nutzen bestimmte Plätze als ihre „Toilette“,z.T. auch auf Dachböden.
Diese Plätze stellen eine potentielle Infektionsgefahr dar.
Der Waschbär zählt inzwischen zur einheimischen Fauna. Er ist als Nesträuber ein eher unerfreulicher Faunenzuwachs, sollte aber dennoch seinen Lebensraum mit uns teilen dürfen.
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